Auslandsjahr

Das Gymnasium Marne Europaschule ermutigt Schülerinnen und Schüler ausdrücklich zur Durchführung eines Auslandsjahrs während der Schulzeit. In der Regel eignet sich dazu am besten der Einführungsjahrgang der Oberstufe, den die Schülerinnen und Schüler dann im Ausland verbringen. Während des Auslandsjahrs leben sie in Gastfamilien und durchlaufen fern der Heimat oft eine Entwicklungsphase, die sie kompetent und gereift wieder zurückkehren lässt.

Auf Antrag können die Schülerinnen und Schüler bei entsprechenden schulischen Vorleistungen das Schuljahr in Marne überspringen und wieder in ihren bisherigen Jahrgangsverband eintreten.


USA

Jonas Prien, Klasse 12d

Am 08.08.13 begann mein Austauschjahr in Stow, Ohio. Nach dem Flug von Hamburg über Frankfurt und Chicago konnte ich in Akron endlich meine Gasteltern Annabelle und Eric sowie meine Gastgeschwister Joseph (19), Frances (18), Isabella (16) und Conrad (10) in die Arme schließen. Wir fuhren nach Hause und ich musste mich erst einmal in meiner neuen Welt zurechtfinden. Schon früh war mir klar, dass ich American Football spielen wollte. Ich habe aber nicht gewusst, dass ich nach einer Woche in Ohio schon auf dem Feld stehen und für meine Mannschaft, die Stow Bulldogs, spielen sollte.

Diese Football-Saison war eine ganz besondere für meine Schule (Stow-Munroe Falls High School), denn wir wurden seit 25 Jahren endlich wieder die Gewinner unserer Liga. Der Erfolg war etwas Außergewöhnliches für die ganze Stadt. Außerdem erfüllte es mich mit Stolz, der erste Austauschschüler aller Zeiten zu sein, der für die Footballmannschaft in Stow gespielt hat.

Es ist schon faszinierend als deutscher Schüler in das amerikanische Leben hinein-zukommen: Man wird aufgenommen wie ein Bruder, gerade in Sportteams. Homecoming, Halloween, Christmas, Prom, Thanksgiving, Memorial Day usw. sind tolle Feste und Events, die man einfach mitgemacht haben sollte, weil sie völlig anders sind, als man es von Filmen oder Büchern kennt.



Das vielleicht Wichtigste am ganzen Austauschjahr ist sicher, dass man sich wohlfühlt. Dieses Gefühl wurde mir natürlich von meiner Gastfamilie vermittelt, aber auch gerade durch meine Schule. Der School Spirit hilft einem natürlich auch, besser aufgenommen zu werden. Die amerikanischen Schüler dürfen sich ihren Stundenplan selbst „zusammenbauen“, d.h., ich hatte außergewöhnliche Fächer wie Business Pathways und Japanisch.

Das wahrscheinlich größte Highlight meines Aufenthaltes war die Reise nach Hawaii! Meine Organisation YFU bietet jedes Jahr einige Reisen für Austauschschüler an und ich nutzte die Chance. Hawaii ist schon bezaubernd mit seinen Vulkanen, Surfern, Früchten, schönen Landschaften, dem Hula, Aloha sowie dem Pazifik.

 

Am 18.06.14 war es dann soweit! Abflug! Ich verabschiedete mich schweren Herzens von meiner Gastfamilie und meiner Freundin. Es war nicht leicht nach Hause zu fahren, aber dennoch konnte ich froh sein, denn ich hatte das Austauschjahr mit Bravour gemeistert!




Dominikanische Republik

Nach 18 Stunden Flug bin ich endlich um 19 Uhr Ortszeit in Santo Domingo, Hauptstadt der Dominikanischen Republik, gelandet. Die Müdigkeit war uns allen deutlich anzusehen. Nachdem wir dann erst einmal Stunden auf unsere Koffer gewartet haben, die aber im Endeffekt noch in London waren, weil wir Verspätung mit einer Maschine hatten, sind wir ohne jegliche Sachen aus dem Flughafengebäude gelaufen und da kam sie, die Hitzewelle! So stickig und feucht habe ich es mir um diese Uhrzeit überhaupt nicht vor-gestellt. Zwei Tage später sind wir dann zu unseren Gastfamilien gekommen.

 

Es war schon ein wenig komisch, weil ich keine Spanischkenntnisse hatte und man sich nur mit Gestik „unterhalten“ konnte! Das hat sich dann nach den ersten drei Monaten langsam gelegt, ab da konnte ich nämlich durch meine Schule und den vielen Freunden, die ich dort gefunden habe, schon eine Unterhaltung führen, auch wenn einige immer noch oft geschmunzelt haben, weil ich etwas falsch gesagt habe. Aber so wurden die Gespräche immer schön aufgelockert. Dann kam auch schon unser erstes Camp, das wir mit allen Austauschschülern meiner Organisation gemacht haben: Die Wanderung auf den “Pico Duarte“, den höchsten Berg der Karibik. Mit 3.098 Metern ist er sogar ein wenig höher als die Zugspitze. Insgesamt waren wir fünf Tage unterwegs. Es war sehr anstrengend, aber spätestens als ich oben angekommen war, wusste ich, das war es wert! Leider kann ich hier nicht alles auflisten, was ich Spannendes in diesem Jahr erlebt habe, aber insgesamt kann man einfach nur sagen, dass dieses Jahr unglaublich war.

 

Ich habe so viele Freunde aus der ganzen Welt kennen gelernt, habe mit denen so vieles erlebt, Sachen, die man nie vergessen wird, Freundschaften zwischen Austauschschülern schweißen zusammen! Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist das, was sich die meisten Menschen vorstellen, wenn sie von der Dominikanischen Republik hören: Strand, Palmen, ein ganzes Jahr sommerliches Wetter, aus Kokusnüssen trinken etc. Ja, all diese Sachen habe ich erlebt, aber ehrlich gesagt, sind diese nur kleine Dinge, die mein Jahr dort ausgemacht haben. Ich durfte hinter die Fassade dieses wundervollen Landes gucken, nicht nur den Blick vom Hotelzimmer aus! Ich habe die Kultur kennen und lieben gelernt, habe Merengue und Bachata, die Nationaltänze der Dominikanischen Republik, gelernt, durfte Menschen mit einem riesigen Herz Familie nennen und einen Teil meines Lebens dort verbringen. Auch wenn dieses Land nicht viele Reichtümer bieten kann, hat es mir alles gegeben, was ich mir hätte erträumen können!


Costa Rica

Am 11. Juli 2013 hieß es für mich Abschied nehmen, um meine Reise in das für mich un-bekannte Costa Rica anzutreten. Ein Land, das für ein Jahr mein neues Zuhause werden sollte.

Mit voller Vorfreude ließ ich mich auf dieses neue Abenteuer ein. Gleich am Anfang wurde ich von meiner Organisation am Flughafen abgeholt, um dann nach einer zweitägigen Orientierung von meiner Gastfamilie mit freundlichen und offenen Armen empfangen zu werden. In meiner neuen Familie habe ich mich vom ersten Moment an sehr wohlgefühlt. Mit acht Gastgeschwistern war bei uns immer viel los und mir wurde nie langweilig. Meine Gasteltern habe ich auch ganz schnell in mein Herz geschlossen und schon bald wurde diese unbekannte Familie zu meiner zweiten Familie.

 

Vor meinem ersten Schultag war ich besonders aufgeregt, da meine Schule mit ungefähr 2000-2200 Schülern viel größer war als meine Schule hier in Deutschland. Ich wurde mit genauso offenen Armen empfangen wie in meiner Familie. Alle waren von Anfang an total lieb und nett zu mir sowie sehr an meinem Leben hier in Deutschland interessiert. Ich wurde gleich akzeptiert und alle haben sich bemüht, mir die erste Zeit so einfach wie möglich zu machen. Nach und nach lernte ich immer mehr Leute kennen, und mein Spanisch wurde auch immer besser. Ich wurde mit einer so großen Gastfreundschaft und Herzlichkeit in Costa Rica empfangen, so dass es mir sehr leicht fiel, mich dort einzuleben. Außerdem lernte ich andere Austauschschüler aus Japan, Italien, Norwegen, der Schweiz, Finnland und vor allem Deutschland kennen, mit denen ich mich auch gleich angefreundet habe.

 

Dadurch, dass Costa Rica ungefähr so groß ist wie Niedersachsen, habe ich sehr viel von dem Land, der Natur und Kultur gesehen und kennengelernt. Die Ticos haben eine so liebenswürdige Art und Lebensfreude an sich, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. Ich habe dadurch gelernt, dass man auch mit wenig Dingen glücklich und zufrieden sein kann und dass Freundlichkeit, Herzlichkeit, Offenheit und Lachen einem so viel mehr geben können als die Dinge, die uns hier in Deutschland so wichtig sind.

 

Doch nach und nach ging meine Zeit dort schnell zu Ende. Auf einmal waren die Nicaraguareise, mein Geburtstag, Weihnachten, Silvester, das Holi One Color Festival, die Panamareise, die halbe WM und einfach mein ganzes Auslandsjahr vorbei. Ich musste wieder meine Koffer packen und mich verabschieden. Doch dieses Mal war es etwas anderes. Ich ließ meine Gastfamilie zurück, um meine Familie wiederzusehen. Ich ließ meine neuen Freunde zurück, um meine Freunde wiederzusehen. Doch ich weiß jetzt, dass ich ein zweites Zuhause, eine zweite Familie und Freunde fürs Leben gefunden habe. Ich bin dankbar für alles, was mir in diesem einen Jahr gegeben wurde. Auch wenn ich wieder froh bin hier zu sein, wird mir dieses Leben in Costa Rica immer sehr fehlen. Meiner Organisation „GLS – Sprachenzentrum“ bin ich auch sehr dankbar, dass sie mir während der Vorbereitung und meines Aufenthaltes so geholfen hat und dafür gesorgt hat, dass ich die beste Zeit meines Lebens hatte. Ich kann nur jedem empfehlen, auch so ein Auslandsjahr zu machen, denn es wird die beste Erfahrung und das beste Erlebnis sein, das man sich vorstellen kann!