Schule und Wissenschaft


Herr Dewitz reist Zur Fortbildung nach Chile

Herr Dewitz berichtet von einer Fortbildung der ganz besonderen Art:

Wie bitte!? Die Europäische Südsternwarte steht in Chile? Aber das ist doch nicht in Europa! Diese Frage höre ich öfter, wenn ich erzähle, dass ich die europäischen Teleskope der ESO, genauer das VLT (Very Large Telescope) und das ALMA (Atacama Large Millimeter Array) besucht habe. Aber der Reihe nach.

„Astronomie bei verschiedenen Wellenlängen“, „Teleskoplehre“ und „Teleskoptypen“ verlangt unser schulinternes Fachcurriculum der Astronomie, außerdem ist unsere Schule eine Europaschule. Gerne nehme ich deshalb das Angebot des Exzellenzzentrums Heidelberg an, als Mitglied des HdA (Haus der Astronomie)-Netzwerkes bei der Lehrerfortbildung des chilenischen Lehrernetzwerkes teilzunehmen. Wir haben die Möglichkeit, Astronomielehrer aus Chile zu treffen und ihre Schulen zu besichtigen. Als eigene Fortbildung solle uns die Möglichkeit gegeben werden, die europäischen Großteleskope zu besichtigen. Als Voraussetzung wird ein Experiment für das Besucherzentrum des ALMA konzipiert. Obwohl ich diese Reise persönlich zahle, ist es trotzdem ein interessantes Angebot, da ich so Einblicke bekomme, die ich privat niemals erhalten würde.

Los geht es mit einem 14-Stunden-Flug nach Santiago de Chile. Ich fliege ab Hamburg und weiter ab Paris mit zwei Kollegen aus Brandenburg, die ich von der Arbeit im HdA bereits kenne. Dort treffen wir schon einige der chilenischen Kollegen und weitere Kollegen aus Deutschland. Zusammen geht es dann mit einem Inlandsflug nach Antofagasta.

In der Schule in Antofagasta stellen wir uns und unsere Schulen zunächst gegenseitig vor, und es werden die ersten Kontakte geknüpft. Am nächsten Tag kommen dann einige Schüler in die Schule. Sie haben zu der Zeit zwar Ferien, stellen aber trotzdem ihre Forschungen zur Astronomie vor. Die Ausstattung der Schule ist zwar nach hiesigen Maßstäben bzgl. Computer und Experimentiermaterial auf einem niedrigen Niveau, aber es sind wirklich tolle Forschungsprojekte dabei! Die Astronomie ist weltweit faszinierend.

Abends fahren alle Lehrer in die benachbarte Wüste, um den Sternhimmel zu beobachten. Für mich ein besonderes Erlebnis: Ich kenne zwar unseren Himmel recht gut, aber der südliche Sternhimmel ist etwas ganz anderes. Ich kann Sternbilder sehen, die ich bis dato nur theoretisch aus Büchern kannte. Die Sternbilder, die wir hier kennen, wie den Orion, stehen dort alle auf dem Kopf und sehen zunächst unbekannt aus. Selbst der Mond wächst von der „anderen“ Seite, also nicht von rechts nach links: sehr merkwürdig zunächst!

Von Antofagasta aus besichtigen wir dann eines der Highlights der Tour: das Very Large Telescope (VLT) der ESO. Zunächst nehmen wir tagsüber an einer normalen Führung teil, an der alle Touristen nach Anmeldung teilnehmen dürfen, abends fahren wir noch ein zweites Mal auf den Cerro Paranal, um bei der Vorbereitung der Beobachtung dabei sein zu dürfen. Wir erleben das Öffnen der Kuppel und nebenbei noch einen herrlichen Sonnenuntergang in einer der trockensten Regionen der Erde. Was für ein fantastischer, transparenter Himmel!

Als nächstes Ziel steht die Stadt San Pedro de Atacama auf dem Programm. Wir verlassen Antofagasta, das am Pazifik liegt, und fahren mit dem Linienbus an Kupferminen vorbei in die Wüstenstadt, wo wir für den Rest der Tour Quartier beziehen. Unser Ziel hier ist das größte Radioteleskop der Welt, das ALMA.

Am Tag dieser Besichtigung bin ich besonders aufgeregt, denn ich weiß von der letzten Besuchergruppe, dass uns eine ärztliche Untersuchung bevorsteht. Mit einem Bus mit Überrollbügel (!) fahren wir zunächst zur Basis, wo sich die Werkstätten befinden. Hier werden wir alle vom Arzt untersucht: Puls, Blutdruck Sauerstoffgehalt. Leider dürfen auch fünf Personen aus unserer Gruppe nicht mit auf die Antennenebene auf 5050 m Höhe. Ich darf zum Glück mit. Der Busfahrer bekommt zur Sicherheit eine Sauerstoffversorgung, und es geht weiter nach oben zu der Antennenebene. Hier besichtigen wir neben den Antennen, die auf den Millimeter genau mit einem Transporter umgestellt werden können, auch die Technik, die zu deren Betrieb benötigt wird, z.B. ein Supercomputer. Diese Führung bekommen nicht viele Personen zu sehen. Der Tag wird beendet mit der Rückkehr zur Basis, wo wir die von uns entwickelten Experimente demonstrieren und dem Besucherzentrum zur Verfügung stellen. Ein Experiment des Gymnasiums Marne ist jetzt somit in Chile bei der ESO.

Die letzte Zeit in Chile verbringen wir dann noch mit Beobachtungen der südlichen Hemisphäre an einem gemieteten Teleskop.

 

Für mich war es ein großartiges Abenteuer, dass mir wieder mal zeigt, dass es ein gewaltiger Unterschied ist, ob man in der Schule Angelesenes vermittelt, oder ob man für etwas steht, was man wirklich erlebt hat. Ich hoffe, dass meine erlebte Faszination für Astronomie, Natur und Technik in meinem Unterricht an meine Schüler überspringen wird!

Naturwissenschaftliche Fortbildungen

Bereits seit März 2012 ist das Gymnasium Marne Europaschule eine der zehn ausgewählten Stützpunktschulen für die Naturwissenschaften des Landes Schleswig-Holstein. Bei dem Projekt TWS - „Transfer- Wissenschaft-Schule" bieten wir Fortbildungen für Lehrkräfte an, die aktuelle Entwicklungen aus der fachbezogenen und fachdidaktischen Forschung in den Naturwissenschaften zur Diskussion stellen. Bei unserem regionalen Konzept sind diese Veranstaltungen auf mehrere Schulen verteilt. Neben dem Gymnasium Marne gehören die Nordseeschule St. Peter-Ording, die Schule am Meer Büsum, die Kaiser-Karl-Schule Itzehoe und die Hermann-Tast-Schule Husum zu dem gemeinsamen Netzwerk. Da auch die Gemeinschaftsschule Meldorf und das Werner-Heisenberg-Gymnasium Heide als Stützpunktschulen beauftragt sind, besuchen viele Lehrkräfte in der Region die Fortbildungen und nutzen die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Die TWS-Veranstaltungen finden fächerübergreifend für die Fächer Biologie, Chemie, Physik und Technik statt. Die Fortbildner passen die Fortbildungen im Vorwege den gewünschten Schwerpunkten an und bringen zusätzlich zur theoretischen Einführung stets auch eine ganze Reihe von Materialien und Geräten mit, mit denen die Lehrkräfte die Experimente und Ansätze gleich selbst probieren können.

 

Die Inhalte der Fortbildungen fanden sich auch in diesem Schuljahr direkt im Unterricht wieder. So untersuchten die Schülerinnen und Schüler an unserem Schulteich die Wasserqualität und brachten die Beobachtungen erfolgreich in den Umweltwettbewerb des Kreises ein. Bei einem Methodentraining zum Experimentieren ließ Sechstklässler Bohnen und Kichererbsen keimen und wachsen. Der elfte Jahrgang untersuchte den Zusammenhang unserer Ernährungsgewohnheiten mit dem Rückgang des Regenwaldes und führte ebenso neue Low-Cost-Experimente durch. Im 9. Jahrgang wurde zur Löslichkeit von CO2 im Meerwasser experimentiert und im 11. Jahrgang wiederum wurden Styroporboote gebastelt, die über den Microcontroller Arduino dazu programmiert wurden, in einem eigens dafür gebauten Wasserbecken eine vorgegebene Bahn zu fahren.

 

Drei bis vier ganztägige Set-Treffen, die vom IPN in Kiel inhaltlich begleitet werden, sind meist mit den Fortbildungen gekoppelt und führen den schulübergreifenden Lehrkräfte-Dialog über die lebensnahe Gestaltung von Unterricht auf einem erfahrenen Niveau fort. Dabei wird auch Unterricht mit Inhalten aus den Fortbildungen gezeigt. Im Mittelpunkt stehen die Eigenständigkeit beim Lernen, der Aufbau experimenteller Fähigkeiten und die selbstständige Erforschung von Forscherfragen, die sich neben dem regulären Unterricht auch für die Teilnahme an naturwissenschaftlichen Wettbewerben wie „Jugend forscht“ eignen können.