Die Zeit nach dem Krieg bis zum Schuljubiläum 1999

Schon im Januar 1946 konnte der Unterricht in den Räumen der Mädchenschule wieder aufgenommen werden, da die alte Schule immer noch als Hilfskrankenhaus diente. Beim Wiederbeginn standen sechs Unterrichtsräume zur Verfügung, in denen sechs Lehrer 343 Schüler unterrichten sollten. Durch den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom wuchs die Schülerzahl bald über 400. Nach dem Umzug in die Plambeckstraße trat eine deutliche Besserung der Unterrichtsverhältnisse ein, obwohl die Gebäude selbst stark durch die zweckfremde Nutzung gelitten hatten. Aber auch Verbesserungen hatte diese mit sich gebracht. ...


Doppelfenster zur Wetterseite; fließendes Wasser mit Waschbecken in allen Räumen; eine leistungsfähige Heizung; der Anschluss der Schule an das Wechselstromnetz. Ein entschiedener Vorteil lag darin, dass das Inventar noch vorhanden war. Die Fahrschüler/innenprobleme wurden von der Firma Reimers gelöst. Brennmaterial war knapp, aber nur zweimal musste der Unterricht wegen starker Kälte ausfallen. Stundentafel und Unterrichtsverteilung richteten sich anfangs jeweils nach der Zahl und Lehrbefähigungen der vorhandenen Lehrkräfte. Pädagogische Probleme gab es aufgrund der ungleichen Vorbildung – Flüchtlingskinder hatten z.T. mehrere Jahre keine Schule besucht – und durch ständige Fluktuation innerhalb der Schülerschaft. 1947 nahm die Schule erstmals an der Hoover-Speisung teil. Die Ernährungsverhältnisse normalisierten sich später, so dass die Schulspeisung nach den Sommerferien 1950 schließlich eingestellt wurde.


Mit Schuljahrsbeginn 1947 gabelten sich die Obertertien in einen sprachlichen und einen mathematischen Zweig. 1949 wurde zusätzlich in der Oberprima ein Kern- und Kurssystem eingeführt. Diese Reformen wurden bis zur Erprobung der Studienstufe (1970) beibehalten. Mit Einführung der sechsjährigen Grundschule fielen ab Ostern 1948 Sexten und Quinten an der Oberschule weg. Dadurch brauchte erstmals seit Kriegsbeginn nur noch Vormittagsunterricht gegeben zu werden. Mit Beginn des Schuljahres 1951/52 wurde das neunjährige Gymnasium wieder eingeführt, so dass Nachmittagsunterricht unvermeidlich blieb. Das schulkulturelle Leben erlebte zeitig nach dem Krieg (1946/47) eine Wiedergeburt. Es gab jährliche Theateraufführungen und musikalische Veranstaltungen. 1952/53 erschien die Ausgabe der Schülerzeitung "Die Pause". Zwei Momente kamen den kreativen Werken sicherlich zugute, zum einen bekam die Schule durch Auflösung der Hitlerjugend (1945) die Gelegenheit, die Schüler nachmittags in ihren Bann zu ziehen, und zum anderen war durch das starke Anwachsen der Schülerschaft eine breitere Streuung der Interessen gegeben. 1952/53 war eine allmähliche Verbesserung der Verhältnisse zu verspüren: 25 Lehrer unterrichteten 550 Schüler. Auch hatten sich Eltern- und Schülervertretungen gebildet.


Bis zum 1. April 1953 war der Kreis Süderdithmarschen Träger der Marner Oberschule, die finanzielle Hauptlast entfiel jedoch auf die Stadt Marne und die Gemeinden des Kreises, deren Kinder die Marner Schule besuchen. Mit dem oben genannten Datum ging die Trägerschaft der Oberschule an die Stadt Marne über. Marne hatte nach § 12 des Finanzausgleichgesetzes Zuschüsse für nicht in Marne wohnhafte Schüler in nicht unerheblichem Umfang zu erwarten. Zusammen mit dem Umstand, dass das Land die Lehrerbesoldung ebenfalls zum 1. April übernahm, stellte sich die Finanzlage der Stadt so wesentlich günstiger dar (7).
Um die unterschiedlichen höheren Schulen einander anzugleichen, wurden 1955 durch Kultusministerbeschluss alle in "Gymnasium" umbenannt Die Marner Schule trägt. seitdem den Namen "Gymnasium Marne Neusprachliches und Mathematisch-Naturwissenschaft-liches Gymnasium für Jungen und Mädchen".

Zu Ostern 1959 wurde OStD Heinrich Hoppe nach Erreichen der Altersgrenze während einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet. Die Schüler veranstalteten zum Abschied für ihren scheidenden Direktor am Abend einen Fackelzug. Nach den Sommerferien übernahm OStD Erich Langenfeld die Leitung der Schule. Von Ostern bis nach den Sommerferien 1959 wurde die Schule von dem stellvertretenden Direktor, OStR Ernst Voigt, geleitet. OSt Langenfeld hatte bis dahin die Aussenstelle Heiligenhafen der Freiherr-von-Stein-Schule Oldenburg in Holstein geleitet. Seine erste große Aufgabe lag in der Beseitigung der prekären Raumnot, fast alle Klassen waren Wanderklassen! Im Jahresbericht 1960/61 wird erwähnt, dass der Neubau von fünf Klassenräumen, je drei Physik- und Biologieräumen, sowie zwei Chemieräumen einschließlich Nebenräumen genehmigt sei, ausserdem der einer Turnhalle. Es bedurfte allerdings einiger Zeit, bis am 2. September 1964 die feierliche Einweihung der Neubauten stattfinden konnte. Die Fertigstellung des Sportplatzes im Herbst 1965 rundete das Neubauprogramm ab. Der steigenden Zahl der Kraftwagen trug die Stadt durch den Bau von zwölf Parkplätzen schon vorher Rechnung (1963/64).


Während der schweren Sturmflutkatastrophe am 16./17. Februar 1962 stand die Schule Evakuierten als Unterkunft zur Verfügung. Lehrer und Schüler/innen halfen tatkräftig in der Schule, an den Deichen und beim späteren Faschinenherstellen. In diesem Jahr kam es zum ersten Mal zu einer Stabilisierung im Kollegium, da zu Ostern kein Lehrerwechsel mehr stattfand (8).


Die beiden Kurzschuljahre 1966/67 hinterließen in Marne keine Spuren, obwohl Stoffülle und Zeitnot Schüler und Lehrer stärker als üblich beanspruchten.
Vor allem durch ständig steigende Instandsetzungskosten - Kostenvoranschlag für eine Turnhallenreparatur 200.000 DM (!!) - sah sich die Stadt Marne veranlasst, die Trägerschaft für die Schule an den Kreis Süderdithmarschen mit Wirkung vom 1. Januar 1969 zurückzugeben.
Im Februar des Jahres verabschiedete Oberschulrat Wüstenhagen OStD Langenfeld in den Ruhestand. OStD Detlef Kalström aus Satrup wurde am 10. April zum neuen Schulleiter berufen. Unter seiner Regie wurde ein Antrag auf Genehmigung der Oberstufenreform bei der Landesregierung gestellt, der dazu führte, dass das Gymnasium Marne als erste Schule in Schleswig-Holstein im Schuljahr 1970/71 mit der Erprobung der Studienstufe beginnen konnte.


Organisatorisch brachte dies natürlich erhebliche Probleme mit sich, zumal im Herbst 1970 aufgrund von Lehrermangel ein 30% - Stundenausfall zu beklagen war. Ständig steigende Schülerzahlen seit Mitte der 60er Jahre und ein nicht entsprechend wachsendes Kollegium führten hauptsächlich in den 70er Jahren, aber auch noch zu Beginn dieses Jahrzehntes, zu größeren Stundenausfällen und zu Mehrbelastungen vieler Kollegen/innen durch Vertretungsstunden. Um dem Platzmangel zu begegnen, baute man im Schuljahr 1969/70 die alte Direktorenwohnung zu Schulräumen um. Gleichzeitig wurde eine neue erstellt.
Der Trakt mit denen durch den Umbau der Direktorenwohnung neu gewonnenen Räumen, in denen die Sexten und Quinten sowie die Unter- und Mittelstufenbücherei untergebracht sind, befindet sich im Hauptgebäude rechts.

 

Nach befriedigendem Verlauf des ersten Studienstufenjahres legten Marner Schüler/innen am 15. und 16 Juni 1972 als erste in Schleswig-Holstein das Abitur nach den grundsätzlichen neuen Prüfungsrichtlinien ab.
Das Jahr 1974 stand ganz im Zeichen des l00jährigen Bestehens der Schule. Höhepunkt der Feierlichkeiten vom 24. bis 26. Mai waren die Anwesenheit von Kultusminister Professor Dr. Braun und seine Festansprache in der Großturnhalle der Dörfergemeinschaftsschule. Umrahmt wurden die Festtage u.a. von Sportwettkämpfen, mehreren Festbällen, einer Aufführung der Schultheatergruppe sowie einem abschließenden gemeinsamen Gottesdienst in der Marner Kirche.


Nachdem sich der Förderverein 1971/72 in aller Stille aufgelöst hatte, wurde er nach siebenjähriger Ruhe 1978/79 neu zum Leben erweckt. Das Marner Gymnasium zeigte sich immer wieder als sehr traditionsbewusste Schule, dies bezeugte auch das dreitägige Schulfest 1980 anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Entlassung der ersten Abiturienten der Schule.
In diesem Jahr wurde ebenfalls ein dringend benötigter zweiter Chemieraum im naturwissenschaftlichen Trakt fertig gestellt.


Ständig steigende Schülerzahlen, besonders im Brunsbütteler Raum, hatten dort Bestrebungen nach einem eigenständigen Gymnasium in Gang gesetzt. Nach den Sommerferien 1975 war es soweit, die ersten Sextaner zogen in die erbauten Räume in Brunsbüttel ein, allerdings wurde die Schule offiziell noch als Aussenstelle des Gymnasiums Marne geführt. Mit Ablauf des Schuljahres 1979/80 verließ die bisherige Aussenstelle des Gymnasiums Marne ins Bildungszentrum Brunsbüttel unter der Leitung des zum Schulleiter ernannten StD Siemen das Gymnasium Marne und begann das nächste Schuljahr als selbständiges Gymnasium i. E. (=im Entstehen). Bis dahin waren noch alle Schüler und Lehrer, die schon längst dem Brunsbütteler Gymnasium angehörten, statistisch in Marne geführt worden. Diesem Umstand ist auch der sprunghafte Lehrer/innen – Schüler/innen - Rückgang zu verdanken, den die Statistik für Marne ausweist (9). Die verständliche Sorge um die Existenzmöglichkeit zweier Gymnasien im südlichen Dithmarschen wurde von maßgeblichen Landespolitikern schon Vorfeld der ersten Diskussionen um die Gründung eines Gymnasiums in Brunsbüttel als unbegründet abgewiesen.


Anlässlich eines Pressegespräches im April 1987 betonte Kultusminister Bendixen, dass Marne als Standort eines Gymnasiums nach wie vor ausserhalb jeglicher Diskussion stehe. Diese Aussage scheint umso wichtiger, als auch in den 80er Jahren ein deutlicher Schüler/innen rück gang zu beobachten ist (10).
Die alljährlich in mehreren Ausgaben erscheinende Schülerzeitung "Die Pause" kam einem Teil der Schülerschaft "grün umwandert" vor, deshalb brachte er 1981/82 die ersten Exemplare des eher ‚konservativen‘ "Kolibri" heraus.
Nach 18jähriger Tätigkeit ging OStD Kalström mit Schuljahresende 1986 in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Nachfolge trat OStD Bielenberg, von der Gelehrtenschule in Meldorf kommend, an.
Soweit es zu überblicken ist, musste die Schule in Marne kaum aus witterungs- oder krankheits bedingten Anlässen geschlossen werde. Meist war dann auch gleich landesweit unterrichtsfrei, beispielsweise bei der Schneekatastrophe im Januar/Februar 1979.

Ein Beweis für gewachsene Tradition ist der schöne alte Brauch, an die Abiturienten anlässlich ihrer bestandenen Reifeprüfung den "Bauernstab" zu verleihen. Die Stadt Marne ließ es sich nicht nehmen, diesen feierlichen Akt von 1930 bis heute alljährlich durchzuführen. Den Kriegsabiturienten allerdings konnte dieser Beweis der Verbundenheit mit der Dithmarscher Heimat erst nach den Kriegswirren überreicht werden. Noch ein schöner Marner Brauch soll nicht unerwähnt bleiben, der jährlich kurz vor Weihnachten wiederkehrende Tag der "Schul- und Hausmusik". Diese Veranstaltung fand in den letzten Jahren so starken Zuspruch, dass aus dem einen Tag zwei gemacht werden mussten.
Auch in den letzten Jahren gab es einige nennenswerte Ereignisse. So wurde z.B. ab dem Jahrgang 1995/96 die Wahl der zweiten Fremdsprache gestrichen und es musste pflichtweiße Französisch genommen werden.
1999 fand das 125jährige Jubiläum der Schule statt.
Dieser runde Geburtstag kommt durch die Berechtigung, Abschlussprüfungen abzuhalten zustande, welche am 12.5.1874, also vor 125 Jahren, ausgesprochen wurde.
Das heutige Schulgebäude wurde aber erst am 16.6.1913 eingeweiht.
Die Bezeichnung "Gymnasium" trägt die Schule erst seit 1955 durch eine Umbenennung aller höheren Schulen.