Die Gründungszeit unserer Schule (19. Jh - 1933)

Das Schulwesen in Marne kann bis in die Zeit der Unterwerfung Dithmarschens 1559 zurückverfolgt werden. Zuerst bestand eine Rektoratsschule, an der junge Menschen über das Ziel der Volksschule hinaus, insbesondere auf das Studium des Lateinischen, vorbereitet wurden. Die Rektoratsschule wurde 1834 gegen den Willen der Kirchspielsvertreter aufgehoben. In den Jahren 1858/59 wurde vom Süderdithmarscher Landwirtschaftlichen Verein der Gedanke einer höheren Landwirtschaftlichen Lehranstalt für Marne angeregt. Der damalige Kirchspielsvogt Aye nahm sich dieser Sache an und bat den zuständigen Departmentschef für das Kirchen- und Schulwesen in Kopenhagen um Unterstützung bei der Errichtung einer allgemeinen höheren Bildungsschule. Dieser Plan, der weit über die Errichtung einer landwirtschaftlichen Fachschule hinausging, scheiterte an dem Widerstand der Meldorfer, die lange schon eine Gelehrtenschule mit entsprechenden Lehrmitteln (physikalischem Apparat) und Lehrern besaßen.

Dessen ungeachtet wurde am 1. Mai 1860 eine höhere Privatschule mit zunächst 18 Schülern, die in zwei Klassen von den Herren Dr. Dantzel und Claussen unterrichtet wurden, eingerichtet. Dank der finanziellen Unterstützung der Marner Spar- und Leihkasse - sie stellte 10.000 Taler zinslos zur Verfügung - konnte der Schulbetrieb zunächst in den angemieteten Räumen des Landesbevollmächtigten Nagel (Ecke Süder- und Bahnhofstraße) und ab Ostern 1865 im Hause des Tischlers Dieckmann (östlich neben der Mädchenbürgerschule) aufrechterhalten werden. Trotz anfänglich häufigen Lehrerwechsels nahm die Zahl der Schüler kontinuierlich zu (1864: 34 / 1868: 60). Ostern 1868 musste eine weitere Klasse eingerichtet werden.

Nachdem Schleswig-Holstein 1867 preussisch geworden war, erfüllte eine höhere Privatschule aufgrund ihrer Lehrpläne die Bedingungen für die Zulassung zum Einjährigen-Freiwilligendienst nicht mehr. So entschloss man sich zur Umgestaltung der bestehenden Schule in eine kommunale Realschule zweiter Ordnung mit vorerst vier Klassen und vier Lehrern. Zum Bau eines notwendigen größeren Schulgebäudes in der Schulstraße - sechs Klassen und eine Lehrerwohnung - stellten die Gesellschafter der Marner Spar- und Leihkasse wiederum großzügig Mittel zur Verfügung.

Der Unterricht im neuen Schulgebäude konnte am 1. Oktober 1870 aufgenommen werden. Am 17. März 1871 wurde die bisherige Privatschule unter dem Namen "Höhere Kirchspielschule" durch Erlass der damaligen königlichen Regierung anerkannt. Zu ihrem Leiter wurde Dr. Karl Seitz aus Norden (Ostfr.) gewählt. Die Angleichung an die preußische Besoldungsordnung verursachte der Schule zusätzliche Kosten, zu deren Mitdeckung die Gemeinden Friedrichskoog, Brunsbüttel, Eddelak, Barlt und Kronprinzenkoog beitragen sollten. Erst nach der Entsendung eines Regierungsvertreters nach Marne, veranlasst durch Kirchspielvogt Plambeck, konnte eine Einigung über die Kostenverteilung erzielt werden. Mit Erlass vom 4. Oktober 1873 wurde die Umgestaltung der bisherigen Schule in eine höhere Bürgerschule genehmigt. Mit der Berechtigung zur Abhaltung anerkannter Entlassungsprüfungen, ausgesprochen am 12. Mai 1874, war die Geburt des heutigen Marner Gymnasiums endgültig vollbracht.

Auffällig für den Betrachter ist, dass in einem "Dorf" – Marne erlangte erst 1891 die Stadtrechte - eine höhere Bürgerschule gegründet werden konnte. Dieser Umstand ist sicherlich mit auf die guten wirtschaftlichen Verhältnisse der Region zurückzuführen; Marschbauern waren häufig sehr wohlhabende Leute.

Weitere Veränderungen folgten im September 1878 - weitergehende Anerkennung der Realschule erster Ordnung mit Latein ohne Prima - und am 31. März 1882 - Verleihung der Bezeichnung "Realprogymnasium". Während der folgenden Jahre hielt sich die Schüler/innenzahl in mäßigen Grenzen. Dies änderte sich Ostern 1896, als die bisherige Schule auf Veranlassung der Regierung in eine lateinlose Realschule umgewandelt wurde. Am 26. März 1901 gründeten 17 ehemalige Schüler und Lehrer den Verein "Ehemaliger". Die Mitglieder setzten sich die Aufgabe, die Beziehung zwischen Schule und den ehemaligen Mitschülern aufrechtzuerhalten. Zu Ehren des im April 1909 in den Ruhestand getretenen langjährigen Leiters der damaligen Realschule, Dr. von Holly und Ponientzietz, wurde im Februar 1910 die "v. Holly-Stiftung" ins Leben gerufen. Aus ihr sollten Stipendien für unbemittelte Schüler der Marner Schule ausgeschüttet werden: Der beabsichtigte gute Zweck ist in den fast 40 Jahren der Stiftung nicht erreicht worden. Völlig veränderte Wirtschaftsverhältnisse, geschaffen durch zwei Weltkriege, Inflation und Weltwirtschaftskrise haben das solide Fundament der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zerstört. Das gleiche Schicksal ereilte die Kolster- und die Jubiläumsstiftung der Meldorfer Gelehrtenschule.

Aufgrund der nun jährlich steigenden Schülerzahlen entschloss man sich zum Baue eines größeren Schulgebäudes am Ende der Bürgermeister-Plambeck-Straße nach den Plänen des Hamburger Architekten Bomhoff. Die feierliche Einweihung fand am 16. Juni 1913 statt, dem 25-jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers Wilhelm I.

Mit Erlass vom 17. März 1913 wurde die Schule berechtigt, den Namen "Kaiser-Wilhelm- Schule" zu führen. Weitere Pläne zur Anerkennung als Vollanstalt - als Oberrealschule - mussten während des Ersten Weltkrieges zurückgestellt werden. Die anfängliche Begeisterung wich auch in Marne spätestens gegen Kriegsende einer tiefen Trauer. Die Schule hatte den Verlust von drei Lehrkräften und 49 Schülern zu beklagen.

Zwei der verstorbenen Lehrkräfte wird in Form einer Gedenktafel gedacht, die in der Eingangshalle ist.

Ostern 1920 wurde die für uns heute selbstverständliche Koedukation, d.h. Mädchen und Jungen werden gemeinsam an einer Schule unterrichtet, an der Plambeckstraße mit Erlaubnis des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung eingeführt. Immerhin 15 Mädchen traten von Quinta bis Prima in die bis dahin reine Jungenschule ein. In einer Stellungnahme dazu schreibt der damalige Schulleiter Dr. Beber: "Das Bestehen einer Aufnahmeprüfung erscheint daher dem Lehrerkollegium eine notwendige Sicherungsmaßregel, um einer Überflutung durch unbegabte Mädchen vorzubeugen" (2). Am 7. Juli 1924 wurde beschlossen, dass die Schule in die Trägerschaft des Kreises übergehen solle, u.a. wohl auch, um die wachsende Schule (3) auf ein finanziell tragfähiges Fundament zu stellen. Erst im Jahresbericht 1927/28 wird über die Ausführung des Beschlusses berichtet. Durch den unermüdlichen Einsatz von Dr. Beber, unterstützt von Bürgermeister Stöfen, erhielt Marne die Erlaubnis, die Realschule zu einer Oberrealschule aufzubauen. Ostern 1927 wurde die erste Obersekunda eingerichtet. 1930 konnten in Marne die ersten zehn Abiturienten die Schule verlassen. Wie man nachlesen kann, befanden sich auch Mädchen unter den zehn ersten Abiturienten; zudem waren sie unter den drei Leistungsbesten zu finden. Den Abiturienten wurde von der Stadt Marne, auf Anregung von Direktor Dr. Beber, ein verkleinerter goldener Bauernstab verliehen als Zeichen der Verbundenheit mit der Heimat.