Die Schule im Nationalsozialismus (1933-1944)

Unter Dr. Beber ist nicht nur aus der Realschule eine Oberrealschule entstanden, deren Abschluss zum Hochschulstudium berechtigte, sondern er vermochte auch die Existenz der Schule über Zeiten wirtschaftlicher Depressionen zu bewahren und trotz Schulgelderhöhung der Zahl der Schüler erheblich zu steigern. Dieser aufrechte Pädagoge wurde nach der Machtergreifung 1933 vom Dienst beurlaubt, nachdem er 25 Jahre der Schule pflichtgetreu gedient hatte. Sein Schicksal erlitten während der nationalsozialistischen Herrschaft noch mehrere Lehrer der Marner Schule.

StR. Heine leitete bis zu seinem Tode am 2. Februar 1935 die Schule. Seine Nachfolge trat, zunächst kommissarisch, StR. Hoppe an. Am 1. Oktober 1935 übernahm er als Studiendirektor endgültig die Amtsgeschäfte....

Schüler und Lehrer hatten sich dem nationalsozialistischen Staat vollkommen unterzuordnen. Stundenkürzungen und -ausfälle, hervorgerufen durch Pflichtdienst in nationalsozialistischen Organisationen und durch Teilnahme an zahlreichen nationalsozialistischen Feiertagen, waren die Folge; hinzu kamen häufige Lehrerwechsel. Obwohl StD Hoppe in den Jahresberichten nicht darauf eingegangen ist, hat der Unterricht insgesamt sicherlich unter den gegebenen Voraussetzungen stark gelitten. StD Walther, der damalige Direktor der Meldorfer Gelehrtenschule, hat in den Jahresberichten 1935/36 und 1937/38 festgehalten, dass keine Kontinuität im Unterricht einzelner Fächer und Jahrgänge gegeben war.

Durch den R.- Min. - Erlass vom 3. November 1936 E III a 2251 M. (4) wurde angeordnet, die Reifeprüfung in die Unterprima zu verlegen. Dieser Erlass führte in Marne 1938 zum Abbau der Oberprima. Ausserdem ist dem Jahresbericht 1936/37 zu entnehmen, dass Sextaner nach dreijährigem Grundschulbesuch von der Oberrealschule aufgenommen worden sind Die Abgangszeugnisse von Offiziersanwärtern wurden dem Reifezeugnis gleichgestellt. Ziel dieser Maßnahme war es, möglichst schnell viele junge Menschen für Führungspositionen in der Wirtschaft und im Militär verfügbar zu haben. Vom Schuljahr 1937/38 an beteiligten sich Schüler der Marner Schule, wie auch anderorts, an Altmaterialsammlungen.

Zur Vereinheitlichung wurde die Zahl der Typen im höheren Schulwesen verringert, und es entstand aus der Oberrealschule 1938 die Marner Oberschule. Erstaunlicherweise tragen alle Jahresberichte noch bis in den Krieg hinein den Namenszug "Kaiser-Wilhelm-Schule für Jungen", obwohl in einem Brief des Landrats als Vorsitzendem des Kreisschulausschusses mitgeteilt wurde, dass es mit Rücksicht "auf die politische Entwicklung der letzten Jahre" nicht tunlich sei, diese Bezeichnung weiterzuführen. "Wenn (dem Kreisausschuss) auch jede Bilderstürmerei fernliegt, ist er ... zu der Entscheidung gekommen, dass es sich doch empfehle, diese Bezeichnung allmählich verschwinden zu lassen." Doch: "Von einer Bekanntmachung ist jedoch abzusehen!" (5).

Das kaiserliche "W" über dem Eingang ist sogar bis in die heutigen Tage geblieben. Im Zuge der Gleichschaltung des gesamten öffentlichen Lebens wurden die Befugnisse des Schul- und Verwaltungsausschusses auf den Landrat übertragen (6).

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges beschlagnahmte die Wehrmacht das Schulgebäude an der Plambeckstraße für Lazarettzwecke.

Die gesamte Schule musste in das unzulängliche Gebäude der Mädchenvolksschule und in das Skatclub-Museum umziehen. Dort fehlten anfangs geeignete Luftschutzräume, die gerade aufgrund der exponierte geographischen Lage Marnes in der Nähe der Elbmündung notwendig gewesen wären. In Jahresbericht 1940/41 wird von einer Verbesserung der Luftschutzeinrichtungen gesprochen. Aus pädagogischer Sicht stellte sich die räumliche Enge als größter Mangel dar. Es mussten zwei Klassengruppen gebildet werden, die im wöchentlichen Wechsel vormittags und nachmittags unterrichtet wurden. Gekürzte Stunden - vormittags 40 Minuten, nachmittags 35 Minuten - waren wohl auch das geringer Übel, viel stärker wirkte sich die geringere Aufnahmefähigkeit in den Nachmittagsstunden aus. Der Sportunterricht musste unter freiem Himmel abgehalten werden, da keine Turnhalle zur Verfügung stand und alle Seile von der Wehrmacht belegt waren. Experimentalunterricht in Physik und Chemie konnte 1940 wieder aufgenommen werden, nachdem ein Raum im Nachbargebäude organisiert worden war Die Unterrichtseinschränkungen nahmen mit Fortdauer des Krieges laufend zu. Schon im ersten Kriegsjahr wurden Schüler zu Luftschutzdiensten herangezogen.


1940/41 flog die britische Luftwaffe auch am Tage Einsätze, hauptsächlich nachmittags. Des weiteren mussten ganze Klassen beim Ernteeinsatz helfen. Seit dem Jahr 1941 wurden zunächst die Jungen der beiden Oberklassen als Marinehelfer eingesetzt. Sie bedienten die Flak-Scheinwerfer und waren tagsüber im Unterricht natürlich müde. Daraufhin wurden sie zu den Flak-Batterien versetzt, wo sie auch am Tag im Batteriebereich verbleiben mussten. Später wurden alle wehrfähigen Schüler zur Wehrmacht einberufen, so dass neben einigen Oberstufenmädchen nur noch VI bis U II auf der Schule verblieben. Trotzdem stiegen die Schülerzahlen in den letzten Kriegsjahren - 1943: 224 Schüler, 1944: 271 Schüler - durch den Zug Ausgebombter und Heimatvertriebener erheblich an. Die sich stetig verschlechternden Verkehrsverhältnisse bereiteten den Fahrschülern schon in den ersten Kriegsjahren Probleme. Seit Ende März 1945 wurden sie nun auch noch auf dem Schulweg von Tieffliegern beschossen. Ein Luftalarm folgte dem anderen, so dass kein geregelter Unterricht mehr stattfinden konnte und die Schule Ende April geschlossen werden musste.

Auch in diesem Krieg hatte die Schule zahlreiche Opfer zu beklagen:

3 Lehrkräfte

83 Schüler (auch Ehemalige)

Ihnen und den Opfern des Ersten Weltkrieges zum Gedenken wurde am 22. November 1948 in der Aula des heutigen Gymnasiums ein großes Ehrenmal eingeweiht.